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Umweltgefährdung durch insektenresistente Bt-Pflanzen

Autor: Dr. Christoph Then

Felder mit gentechnisch entwickeltem Mais der Firma Ciba.

Aufgenommen am: 15.02.1997

Copyright: © Gustavo Gilabert / Greenpeace

 

Auf 68 Millionen Hektar wurden im Jahr 2003 weltweit gentechnisch manipulierte Feldfrüchte angebaut. Bei 18 Prozent (12 Millionen Hektar) handelte es sich um Sorten, die gegen Insekten resistent sind. Die meisten dieser Feldfrüchte werden durch Einsetzen einer synthetischen Version eines Gens des vorkommenden Bodenbakteriums, Bacillus thuringiensis (Bt), hergestellt. Die Pflanzen produzieren ihre eigenen Bt-Toxine und vernichten damit Schädlinge. Insektenresistenter Bt-Mais, Bt-Baumwolle und Bt-Kartoffeln werden vor allem in den USA kommerziell angebaut. Verschiedene andere Bt- Pflanzen befinden sich in der Entwicklung (z.B. Raps, Reis und Tomaten).

In seiner natürlichen Form wird Bt schon seit den 50er Jahren von Landwirten, die biologische und andere naturnahe Anbaumethoden betreiben, als Spray verwendet. Das Spray tötet Schädlinge, ohne dabei Nicht-Ziel-Insekten oder andere wild lebende Tiere zu beeinträchtigen. Die Bt-Toxine, die von insektenresistenten Feldfrüchten wie z.B. Monsantos Gen-Mais MON810 produziert werden, weisen jedoch signifikante Unterschiede auf und betreffen ein breiteres Spektrum von Insekten, bis hin zu so genannten Nützlingen.

Natürliche Bt-Sprays haben kaum Auswirkungen auf Nicht-Ziel-Organismen, da sich das bakterielle Protoxin in inaktivem Zustand befindet und erst toxisch wird, wenn es im Darm der Insektenlarven bestimmter (Ziel-)Spezies verdaut wird. Im Gegensatz dazu enthalten viele insektenresistente Pflanzen ein künstliches, verkürztes Bt-Gen, das ein geringeres Maß an Verdauung erfordert, um das Toxin zu erzeugen. Es ist daher weniger selektiv und kann außer den Schädlingen, für die es gedacht ist, auch Nicht-Ziel-Insekten schädigen, die über die Enzyme zur Verdauung des Protoxins nicht verfügen.

Gentechnisch veränderte Bt-Pflanzen können für Nicht-Ziel-Organismen schädlich sein, die entweder das Gift über Pollen oder Pflanzenabfälle aufnehmen oder auch über das Fressen von Schädlingen, die das Toxin aufgenommen haben. Dadurch können geschützte Spezies oder nützliche Insekten geschädigt werden, die wichtig für den Erhalt des Ökosystems sind.

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Gefährdung von Schmetterlingen

Die meisten der derzeitigen Bt-Pflanzen sind so genmanipuliert, dass sie auf bestimmte Arten von Motten und Schmetterlingen (Lepidoptera) toxisch wirken. Dadurch soll unter anderem die Raupe des Maiszünsler, eines im Maisanbau in bestimmten Regionen vorkommenden Schädlings, bekämpft werden.

Aber auch die Raupen anderer Schmetterlinge können durch das Fressen in der Nähe von Bt-Pflanzen versehentlich zusammen mit dem Pollen auch das Bt-Toxin aufnehmen. Die Auswirkungen der Pollen von Bt-Mais auf die Larven des Monarchfalters (Danaus plexippus) in Nordamerika sind das bekannteste Beispiel für dieses Phänomen. Der Pollen von Bt-Mais (Bt176 der Firma Syngenta) hatte die Kontroverse um den Monarchfalter entfacht. Diese Variante des Bt-Mais wird inzwischen stufenweise aus dem Verkehr gezogen. Man erkannte außerdem, dass die Pollen des Bt-176 auch für die Raupen des Tagpfauenauges (Inachis /o) toxisch sind.

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Monarchfalter/Schmetterling. Der Monarchfalter ist von der Verbreitung von GMO-Mais, der gegen Insekten modifiziert ist, betroffen.

Im August 2004 wurde von Forschern der Universität in Maryland, USA, in einer Langzeitstudie festgestellt, dass es auch nachteilige Folgen für die Raupen des Monarchfalters hat, wenn sie über längere Zeit den Pollen von zwei anderen Bt-Mais-Sorten, MON810 und Bt11 ausgesetzt sind, obwohl diese Varianten des Bt-Mais wesentlich weniger Bt in den Pollen enthalten als Bt176.

Obwohl keine Kurzzeitauswirkungen (4–5 Tage) festgestellt wurden, zeigte die Langzeitstudie (2 Jahre), dass über 20 Prozent weniger Raupen des Monarchfalters das Stadium des erwachsenen Schmetterlings erreichten, wenn sie natürlich abgelagerten Bt-Pollen ausgesetzt waren. Die Forscher pflanzten für Ihre Untersuchungen Futterpflanzen für die Schmetterlingsraupen in der Nähe von Gen-Mais Feldern an. Dann beobachteten sie die Auswirkungen, die durch den Pollen ausgelöst wurde, der vom Gen-Mais auf die Futterpflanzen geweht wurde und dort von den Raupen zwangsläufig aufgenommen wurde. Im Ergebnis entwickelten sich tatsächlich 23,7 Prozent weniger Raupen zu Schmetterlingen.

Zwar sehen die Forscher das Risiko als relativ gering an, dass die Population des Monarchfalters dadurch insgesamt gefährdet wird. Dies liegt u.a. daran, dass das Verbreitungsgebiet des Monarchfalters nicht auf die Regionen konzentriert ist, in denen der Mais angebaut wird.

Die Forschungsergebnisse sind aber nicht nur für den Monarchfalter relevant, da auch für andere Arten bereits eine Empfindlichkeit für Bt-Toxine nachgewiesen wurde. Viele Schmetterlingsarten und andere Insektenarten werden bereits durch Faktoren wie Klimawandel und Verlust des Lebensraumes bedroht. Die Gefährdung durch das Bt-Gift bedeutet einen zusätzlichen Stress und kann dadurch für bestimmte Arten eine ernsthafte Bedrohung sein.

Im Rahmen von Zulassungsverfahren werden derzeit keine Langzeitstudien über die Gefährdung von Nicht-Ziel-Organismen verlangt, obwohl generell erwartet wird, dass ein längerer Beobachtungszeitraum die Risiko-Einschätzung verbessern würde. Der Fall des Monarchfalters zeigt die Relevanz von Langzeitstudien deutlich auf.

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Gefährdung von nützlichen Insekten

Verschiebungen im Gleichgewicht zwischen Schädlingen und deren natürlichen Feinden lassen sich im Fall der Bt-Baumwolle dokumentieren. Untersuchungen aus China zeigen, dass die Verwendung von Bt-Baumwolle die Populationen von Sekundärschädlingen anwachsen lassen kann, darunter Blattlaus, Lygus-Wanze, Weiße Fliege, Rote Spinnmilbe und Thrips. Studien haben zudem einen beachtlichen Rückgang der Populationen von nützlichen Parasiten Microplitis sp. (Rückgang um 88,9 Prozent) und Campoletis chloridae (Rückgang um 79,2 Prozent) in Bt-Baumwollfeldern ergeben. In den USA wurden Auswirkungen von Bt-Mais auf Feldpopulationen von Coleomegilla maculata, einem nützlichen Raubinsekt, das häufig in Maisfeldern vorkommt, festgestellt.

Ein bestimmter Typus des Bt-Toxins (Cry1Aa) erwies sich außerdem als toxisch für den Seidenspinner (Bombyx mori). Bei Laboruntersuchungen konnte auch gezeigt werden, dass die Grüne Florfliege (Chrysoperla carnea) durch Bt-Saaten gefährdet wird. Florfliegen sind Nutzinsekten, die eine wichtige Rolle bei der natürlichen Kontrolle der Schädlinge spielen. Die toxischen Auswirkungen auf Florfliegen werden beobachtet, wenn diese eine Beute fressen, die vorher die Bt-Toxine aufgenommen hat. Das Bt-Toxin wird also in der Nahrungskette weiter gereicht – ein überraschendes Ergebnis.

Trotz dieser Erkenntnisse werden bei der Prüfung von Zulassungsanträgen von Gen-Pflanzen ihre Auswirkungen auf die Nahrungskette nicht geprüft. Diese Vorgehensweise wird inzwischen von verschiedenen Wissenschaftlern scharf kritisiert.

Die beunruhigende Schlussfolgerung lautet, dass Bt-Toxine von gentechnisch manipulierten Pflanzen geschützte und nützliche Arten gefährden und sogar in der Nahrungskette weitergereicht werden können. Ein Effekt, der beim Bt-Toxin in seiner natürlichen Form bisher niemals beobachtet worden ist.

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Wirkung auf Bodenorganismen

Bodenorganismen spielen eine wesentliche Rolle für den Ertrag landwirtschaftlicher Böden. Daher ist es wichtig zu verstehen, wie verschiedene landwirtschaftliche Methoden sie beeinträchtigen. Bt-Pflanzen können langfristig ein großes Problem für die Böden werden, da sie auch über die Wurzeln die Stoffe ausscheiden, die für bestimmte Insekten toxisch sind. Es besteht der Verdacht, dass im Boden eine ganze Reihe von Nicht-Ziel-Organismen wie der Regenwurm betroffen sein können. Während die Bodenökologie von einer großen Anzahl unbekannter Keime abhängig ist, sind Tests bisher nur an sehr wenigen Spezies und sehr wenigen Bodenarten und Ökosystemen durchgeführt worden.

Falls die im Boden abgelagerten Bt-Gifte negative Auswirkungen auf die Bodenorganismen wie Bakterien, Pilze, Insekten, Regenwürmer haben, wird das zwangsläufig weitreichende Folgen haben. Grundlegende Funktionen des Ökosystems, wie die Kompostierung und der Aufbau der Nährstoffkreisläufe können betroffen sein.

Auch die Ernteüberreste auf dem Feld enthalten das Bt-Toxin. Das Bt-Toxin kann im Boden mehr als 200 Tage lang bestehen, besonders während einer kalten Winterperiode. Daher ist es wahrscheinlich, dass die Bt-Proteine auch noch lange nach der Ernte der Gen-Pflanzen im Boden vorhanden sind. Das birgt auch die Möglichkeit der Anreicherung von Bt-Toxinen im Boden.xviii

Auch hier wären weitere Langzeitstudien unbedingt notwendig, um die Risiken besser abschätzen zu können.

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Resistenzprobleme

Eine weitere Gefahr beim Anbau von insektenresistenten Gen-Pflanzen ist, dass die Schädlinge gegenüber der Wirkung von Bt –Toxinen unempfindlich werden können. Die Tatsache, dass die Schädlinge permanent den von den Pflanzen produzierten Giften ausgesetzt sind, fördert das Überleben der Schädlinge, die eine natürliche Resistenz gegenüber dem Bt-Toxin besitzen. Mit der Zeit könnte dies zur massiven Ausbreitung der resistenten Exemplare führen, damit würde das Bt-Gift seine Wirksamkeit verlieren.

In den USA fordert die Environment Protection Agency (EPA, Umweltschutzbehörde) deswegen umfangreiche Pufferzonen, in denen zwischen den Feldern mit Gen-Saaten normale Pflanzen wachsen, um so die Entstehung einer Resistenz gegen das Bt-Gift zu verlangsamen. Es gibt jedoch Bedenken, dass diese Rückzugsgebiete (20 Prozent der mit Bt-Saaten bepflanzten Gebiete) nicht ausreichen und zudem nicht konsequent durchgesetzt werden. Derartige Pufferzonen sind jedenfalls in einer kleinstrukturierten Landwirtschaft, wie sie in Europa meist betrieben wird, kaum durchführbar. Dieses Problem ist auch beim Anbau von Bt-Baumwolle in Indien wie auch in China erkannt worden.

Es bestehen aber grundsätzliche Zweifel, ob entsprechende Pufferzonen überhaupt funktionieren können. Auf der anderen Seite ist eine Fülle von wissenschaftlichen Daten vorhanden, die die Wahrscheinlichkeit der Entstehung einer Schädlingsresistenz untermauern. Eine weitverbreitete Resistenz unter Schädlingen wäre auch eine ernsthafte Bedrohung für eine nachhaltige und umweltfreundliche Landwirtschaft, da diese die Möglichkeit verlieren würde, das natürliche Bt-Mittel wie bisher im Sprühverfahren zu nutzen.

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Neue Superunkräuter?

Eine Insektenresistenz, die von Bt-Pflanzen auf Wildkräuter übertragen wird, wird von Wissenschaftlern als eine Eigenschaft eingeschätzt, die einen Überlebensvorteil bietet und sich daher in Populationen verbreiten kann. Eine solche Steigerung der Überlebensfähigkeit erhöht das Potenzial für wilde Verwandte, zum Problem-Unkraut zu werden oder die vorhandene wilde Population zu verdrängen. Studien mit Raps (Brassica napus) haben beispielsweise ergeben, dass das Bt-Gen an einen wilden, unkrautartigeren Verwandten weitergegeben werden kann (B. rapa).

Das Bt-Gen hätte durch seine Verbreitung möglicherweise tiefgreifende ökologische Auswirkungen:

  • Beständigkeit des Bt-Proteins im Boden mit einer Toxizität für die Bodenorganismen
  • Toxizität für Nicht-Ziel-Organismen wie etwa die natürlichen Feinde der eigentlichen Schädlinge
  • die Entwicklung einer Resistenz gegenüber Bt bei den Schädlingen.

Auswirkungen auf die nachhaltige Landwirtschaft

Für biologisch und andere umweltbewusst wirtschaftende Landwirte stellt die Verwendung von natürlich vorkommenden Bt-Toxinen in Blattsprays schon seit mehreren Jahrzehnten eine wichtige Waffe gegen gefährliche Schädlinge dar. Bt-Pestizide töten Zielschädlinge ohne Beeinträchtigung der nützlichen Raubinsekten, und die Toxine haben keine bekannte nachteilige Auswirkung auf Säugetiere oder Vögel.

Aufgrund seiner Wirksamkeit und Sicherheit im Vergleich zu den Pestiziden, die es ersetzt, ist Bt wahrscheinlich das bedeutendste Insektizid, das jemals entdeckt wurde. Falls Schädlinge jedoch eine Resistenz gegen seine Wirkung entwickeln, werden die Landwirte ihres wichtigen Instruments zur Schädlingskontrolle beraubt und müssen unter Umständen zu umweltschädlicheren Pestiziden wechseln. Biologische Methoden zur Schädlingskontrolle könnten außerdem durch die Schädigung von nützlichen Insekten wie der Grünen Florfliege gefährdet werden.

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